Der alte Mann, der lächelte

Der alte Mann, der lächelte

Weißes Haar, riesige Aschenbecher-Brille, gebrechlicher Gang, gestützt von einem Stock. Doch die klaren Augen funkelten glücklich aus dem alten, vom Leben gezeichneten, Gesicht hervor, und dann war da stets dieses zufriedene Lächeln auf den Lippen. Wann immer ich den Alten sah, ob er den Müll heruntertrug, die Zeitung vom Kiosk gegenüber holte oder einfach nur auf den Bus wartete. Er wirkte so in sich ruhend und selbstzufrieden.

Eines Tages fragte ich den alten Mann, was ihn denn so glücklich mache. Was sein Geheimnis sei?

Er sprach: „Je älter ich werde, umso schwerer fallen mir selbst die einfachsten Dinge. Ich muss mich auf alles konzentrieren was ich tue, meist kann ich nur noch eine Sache auf mal tun. Wenn ich die Treppen steige, konzentriere ich mich darauf die Füße in die richtige Höhe zu heben, einen nach dem anderen, dass die Hand das Geländer sicher umschließt.“

Was dieser alte Mann aufgrund seiner körperlichen Verfassung lernen musste, erinnerte mich an eine Geschichte aus dem Zen-Buddhismus. In dieser fragen die jungen Mönche den alten weisen Lehrer, warum dieser denn, trotz seiner vielen Beschäftigungen, immer so glücklich sei.  Er sprach: „Wenn ich sitze dann sitze ich, wenn ich gehe dann gehe ich, wenn ich laufe dann laufe ich, wenn ich esse dann esse ich“. Die jungen Mönche sagten überrascht, dass sie das doch auch täten. Aber der alte Mönch sprach: „Nein. Wenn ihr sitzt, dann geht ihr schon. Wenn ihr geht, dann lauft ihr schon. Wenn ihr lauft, seid ihr schon im Ziel.

Die Lehre ist: im Kopf voll und ganz bei der Sache zu sein, die man gerade tut. Möglichst nur genau eine Sache auf einmal tun und diese dafür zu 100%. Wartet damit nicht bis ihr alt und gebrechlich seid.

Wie oft sind wir in Gedanken weit weg vom gegenwärtigen Augenblick? Schon während der Arbeit im Wochenende, während des Essens bei der Zigarette danach, schon sonntags im Geiste bei der Arbeit vom Montag. So hetzen wir immer einem zukünftigen Augenblick entgegen, oder sorgen uns um ihn. Wir haben nicht das Gefühl angekommen zu sein, denn in der Zukunft kann man nicht ankommen.

Es gibt immer nur das Jetzt und auch nur dort werdet ihr das Glück finden, nicht in Dingen, nicht an Orten… und auch nicht in der Zukunft.

Eine gute Übung dazu ist es,  wenn ihr euch voll und ganz auf das konzentriert was ihr gerade tut. Das ist das ganze Prinzip hinter der Meditation.  Hierzu zum Abschluss noch ein Lesetipp, „Meditation für Skeptiker“, von Ulrich Ott.

In dem Sinne, eins nach dem anderen mit einem Lächeln auf den Lippen erledigen.